Business Central Wave 2 2025 Neuerungen und Updates
Mit der Veröffentlichung der Business Central Release Wave 2 im Oktober 2025 führt Microsoft erneut eine Reihe technischer und funktionaler Erweiterungen ein, die sowohl die Effizienz im operativen Geschäft als auch die Flexibilität bei der Systemadministration spürbar erhöhen.
In diesem Beitrag beleuchten wir die wichtigsten technischen Neuerungen, ihre praktischen Auswirkungen auf die tägliche Nutzung und warum die Version 2025-Wave 2 ein weiterer Meilenstein für mittelständische Unternehmen ist.
Weiterentwicklung der Copilot-Funktionen: KI-Integration mit echtem Nutzwert
Ein zentrales Highlight der neuen Version ist der weiter ausgebaute Funktionsumfang rund um Microsoft Copilot. Was bisher vor allem als unterstützende Textvervollständigung bekannt war, entwickelt sich nun zu einem echten Assistenzsystem im Tagesgeschäft. So können beispielsweise Artikeldaten automatisiert aus einfachen Beschreibungen generiert werden inklusive Einheiten, Preisvorschlägen oder Artikelzuordnung.
Auch bei der Erstellung von Verkaufsbelegen leistet die KI Unterstützung, indem sie basierend auf historischen Daten Vorschläge für Artikel, Mengen oder Rabatte macht. Neu hinzugekommen ist dabei der sogenannte Sales Order Agent – ein intelligenter Assistent, der den gesamten Verkaufsprozess begleitet. Er analysiert frühere Bestellungen des jeweiligen Kunden, erkennt wiederkehrende Artikelkombinationen und schlägt automatisch passende Positionen vor – inklusive Mengen, Preisen und Lieferzeiten.
Darüber hinaus prüft der Agent bei Bedarf Lagerverfügbarkeiten und kann auf Basis konfigurierter Regeln sogar alternative Artikel vorschlagen. So entsteht ein deutlich schnellerer, fehlerfreierer Prozess bei der Angebotserstellung und Auftragserfassung – gerade bei wiederkehrenden Kunden und standardisierten Sortimentsbestellungen.
Zusätzlich wurde die globale Suche innerhalb von Business Central um eine intelligente Gewichtung erweitert, die relevante Treffer schneller sichtbar macht. Sämtliche Datenverarbeitung erfolgt tenantbasiert und ist somit vollständig DSGVO-konform.
Qualitätsmanagement und Supply Chain: Präzisere Abläufe und bessere Rückverfolgbarkeit
In der aktuellen Version von Business Central wird die Transparenz innerhalb der Lieferkette weiter verbessert insbesondere durch neue Funktionen zur Nachverfolgung, Prüfdokumentation und Verarbeitung von Chargen- und Seriennummern. Erweiterte Prüfmerkmale lassen sich nun direkt mit Artikelverfolgungen verknüpfen, was die Qualitätssicherung im Wareneingang und in der internen Fertigung erleichtert. Zudem ermöglicht das neue Ereignisprotokoll eine genauere Überwachung von Transaktionen innerhalb von Einkauf und Logistik. Für Unternehmen mit regulierten Produkten oder strengen Rückverfolgbarkeitsanforderungen z.B. in der Medizintechnik oder im Lebensmittelhandel stellt dies eine relevante funktionale Weiterentwicklung dar.
Benutzeroberfläche und Navigation: Schneller, schlanker, besser strukturiert
Im Bereich der Benutzerführung zeigt sich Business Central 2025-Wave 2 deutlich reaktionsschneller. Die Performance-Verbesserungen basieren auf einem optimierten Client-Caching und einem überarbeiteten Preloading-Mechanismus für häufig genutzte Seiten.
Darüber hinaus wurden die Möglichkeiten zur Personalisierung der Oberfläche erweitert. Rollencenter lassen sich nun einfacher konfigurieren, inklusive exportierbarer Einstellungen für Administratoren. Auch die mobile Darstellung wurde gezielt überarbeitet, sodass komplexere Seiten – etwa mit vielen Buchungszeilen oder Aktionsfeldern – nun auch auf kleineren Endgeräten stabil dargestellt werden.
Für Unternehmen mit gemischter Geräteinfrastruktur oder mobilem Außendienstpersonal ergibt sich daraus ein klarer Effizienzgewinn bei gleichbleibender Bedienlogik.
Nachhaltigkeit und ESG-Daten
Nachhaltigkeitsanforderungen und ESG-Berichtspflichten nehmen auch im Mittelstand zu. Mit der Version 2025-Wave 2 schafft Business Central die technischen Grundlagen, um Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten systematisch zu erfassen und auszuwerten. Über erweiterte Felder in Artikel-, Ressourcen- und Projektkarten können CO₂-Werte, Energieverbräuche oder Lieferantenbewertungen auf Basis ökologischer Kriterien gepflegt werden. Diese Daten lassen sich in Power BI auswerten oder in Berichtsvorlagen für Nachhaltigkeitsberichte integrieren. Zudem unterstützt die Plattform den Aufbau individueller Workflows zur Nachverfolgung von ESG-Zielen z.B. im Einkauf oder bei Investitionsentscheidungen. Die Offenheit für API-basierte Datenimporte erleichtert darüber hinaus die Anbindung externer Tools und Partnerplattformen.
Fremdproduktion und externe Arbeitsgänge: Flexiblere Abbildung im Fertigungsmodul
Für Unternehmen mit ausgelagerten Fertigungsprozessen bringt die neue Version verbesserte Steuerungsmöglichkeiten. Arbeitsgänge können nun detaillierter als externe Leistungen gekennzeichnet und mit spezifischen Lieferanteninformationen versehen werden. Die Zuordnung erfolgt direkt in der Fertigungsstückliste oder Arbeitsplanstruktur. Darüber hinaus wurden Buchungsoptionen für Materialbereitstellung, Transportzeiten und Statusmeldungen erweitert. Dies ermöglicht eine präzisere Planung, Kostenkalkulation und Rückmeldung von Fremdarbeitsgängen innerhalb der Produktion: Auch im Zusammenspiel mit fortgeschrittenen Add-ons oder Partnerlösungen aus dem Manufacturing-Umfeld.
Verbesserungen im Finanzmodul: Mehr Automatisierung, weniger manuelle Prüfprozesse
In der Finanzbuchhaltung wurde die Validierungslogik in Buchungsblättern und Journalen ausgebaut. Administratoren können nun regelbasiert definieren, welche Felder bei bestimmten Kombinationen von Dimensionen oder Buchungsgruppen verpflichtend belegt sein müssen. Dies reduziert Buchungsfehler und minimiert Rückläufer in der Nachbearbeitung.
Business Central unterstützt jetzt standardmäßig die gängigen E-Rechnungsformate XRechnung, ZUGFeRD und PEPPOL BIS Billing 3 in ihrer jeweils aktuellen Version. Die Konfiguration erfolgt dabei weiterhin über die E-Invoicing-Setup-Funktion, wurde jedoch technisch erweitert: Administratoren können nun mehrere Formate parallel verwalten und gezielt pro Debitor, Kreditor oder Land aktivieren.
Zudem wurde die Validierung der erzeugten XML-Dateien vor dem Versand verbessert. Vorhandene Fehler oder unvollständige Daten werden automatisch erkannt, mit einer präzisen Fehlermeldung versehen und in einem neuen Prüfprotokoll dokumentiert. Dies minimiert manuelle Korrekturen und reduziert die Ablehnungsquote auf Empfängerseite deutlich.
Auch auf Empfangsseite wurde die Funktionalität erweitert. Eingehende E-Rechnungen – etwa über PEPPOL – können jetzt direkt über das Belegpostfach verarbeitet und über Workflows freigegeben werden.
Fazit
Die Release Wave 2 für Dynamics 365 Business Central im Jahr 2025 ist keine rein kosmetische Aktualisierung, sondern ein funktional und technisch relevantes Update für Unternehmen mit ERP-Ambitionen. Die Kombination aus KI-gestützter Datenerfassung, intelligenter Benutzerführung, tiefgreifender Integration in das Microsoft-Ökosystem und gesteigerter Update-Stabilität macht diese Version besonders attraktiv – sowohl für Bestandskunden als auch für Unternehmen, die aktuell vor einem Wechsel oder einer Ablösung ihres Altsystems stehen.
Wer Business Central bereits im Einsatz hat, sollte prüfen, inwiefern die neuen Funktionen im eigenen Prozesskontext sinnvoll nutzbar sind – insbesondere im Zusammenspiel mit E-Rechnung, Zahlungsverkehr, automatisierten Freigaben oder individuellen Erweiterungen.


